Informationen über die Entstehung des Ortsnamens und
geographische Entwicklungen
Die erste urkundliche Erwähnung des alten "Ranvelt" oder "Roumfelt" erfolgt
in einer Schenkungsurkunde des austrasischen Hausmeiers Karlmann vom Jahre 741
an das Bistum Würzburg. Das damalige Rheinfeld dehnte sich über das Gebiet der
heutigen Orte Grafenrheinfeld, Bergrheinfeld, Oberndorf und Röthlein aus, wobei
letzteres eine Rodung von Grafenrheinfeld aus gewesen sein dürfte.
Seit dem Ende des 8. Jahrhunderts wurde immer wieder mit
geringfügiger Buchstabenveränderung die Bezeichnung Rheinfeld verwendet, und selbst bis in
das 14. Jahrhundert wird einer der drei Orte oft nur Rheinfeld genannt.
Die Unterscheidung der Ortsnamen in Grafenrheinfeld, Bergrheinfeld und
Oberrheinfeld setzte sich erst Ende des 13. Jahrhunderts/Anfang des 14. Jahrhunderts durch.
Bis heute bleibt es ein oft kaum zu klärendes Problem, welcher der drei
Rheinfeld-Orte wirklich einem in einer Urkunde nur als Rheinfeld bezeichneten
Ort zuzuweisen ist. Selbst in der neuesten Fachliteratur kommt es noch vor, dass
keine Einigkeit über ein Rheinfeld erzielt wird, das in einer Urkunde
auftauchte.
Eine Unterscheidung der Siedlungsteile war sicherlich bereits vor der
offiziellen, schriftlich sichtbaren Ortsnamenstrennung gebräuchlich. Da im
täglichen Verkehr Flurstücke und Gehöfte genau bestimmt werden mussten, bot sich
als naheliegende Differenzierung die Lage der jeweiligen Ortlichkeiten im
Siedlungsverband zum Main an, also Oberrheinfeld als das mainaufwärts gelegene
Rheinfeld.
Sollten die Uferseiten namentlich unterschieden werden, so war
der geologische Gegensatz auffällig. Demnach wurde in mundartlicher Übertreibung
das auf der westlichen Niederterrasse gelegene Rheinfeld mit "uffen berge"
umschrieben und somit der Gegensatz zum gegenüberliegenden, vom Hochwasserbett
des Mains umflossenen "Graben-Rheinfeld" betont. Auch wenn es für die letztere
Form keinen Beleg gibt, so dürfte diese Unterscheidung zu Bergrheinfeld wohl die
früheste gewesen sein.
Der Besitz der Grafen von Rieneck im Ortsteil links des Mains bis 1179 könnte
dann sehr rasch dazu geführt haben, eine leichte Namensveränderung zu
"Grafen-Rheinfeld" vorzunehmen. Röthlein erscheint in Urkunden im Jahre 780 als
Rodungen, 1168 als Rodranfeld und wird 1179 vom Würzburger Domkapitel zusammen
mit Rheinfeld als "Rhoneueld et Roth" erworben.
Der Name "Ranvelt" läßt sich verschieden deuten: So könnte er vom
althochdeutschen Wort "rinnan" (rinnen, abfließen) abgeleitet sein, wonach unter
Rheinfeld ein abrinnendes, durch häufige Überschwemmung abfließendes Feld zu
verstehen wäre.
Eine weitere Erklärung des Ortsnamens ermöglicht die alte Schreibweise "Roum
felt", die auf ein geräumiges, ausgedehntes Feld hinweist. Am naheliegendsten
dürfte die Ableitung des Ortsnamens von "Rain" als Acker- oder Markungsgrenze
sein, wonach Oberrheinfeld das Feld am "oberen Rain", Bergrheinfeld das Feld am
"Bergerain", Röthlein das Feld am "Rod Rain" und Grafenrheinfeld das Feld am
"Grabenrain" wäre.
In einer gründlichen Untersuchung über die gleichnamigen Uferorte beiderseits
des Mains hat Werner Trost alle Urkunden über Rheinfeld mit der jeweiligen
Namensgebung zusammengestellt, aus der sich die verschiedenen Benennungen für
Rheinfeld ablesen lassen.
Seine Ergebnisse bezeugen eine historische Entwicklung, wonach sich aus der
Rheinfelder Siedlungs- und Gemarkungseinheit mit dem Schwerpunkt rechts des
Mains und Höfen und Hofgruppen auf beiden Ufern mehrere kleine Zentren
entwickelten.
Diese bildeten im Laufe der Zeit eigene Gemarkungen aus, die
sich auf der Mainlinie voneinander abgrenzten. Während zwischen Berg- und
Grafenrheinfeld der Main eine feste Grenze bildete, kam es zwischen
Bergrheinfeld und Oberndorf immer wieder zu Streitigkeiten, die erst im Jahre
1789 durch einen endgültigen Vergleich abgeschlossen wurden.
Dazu kamen neue Rodungssiedlungen, so das heutige Röthlein von
Grafenrheinfeld aus und die spätere Wüstung Bernrode von Bergrheinfeld aus. Die
Förderung der neuen Siedlungszentren durch verschiedene Grundherren verstärkten
deren Eigenständigkeit. Die kirchliche Einheit Rheinfelds allerdings blieb
bestehen und war bis weit in die Neuzeit hinein sichtbar in der Lage der
früheren Pfarrkirche in der Nähe des Fährhauses.