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Katholische Pfarrgemeinde

Gründungsfest der Pfarreiengemeinschaft

Die 100. Pfarreiengemeinschaft in der Diözese Würzburg ist gegründet.
In der Pfarrkirche Kreuzauffindung in Grafenrheinfeld übergab
Domkapitular Hans Herderich am Ende des Festgottesdienstes die von
Bischof Dr. Friedhelm Hofmann unterzeichneten Gründungsurkunden
der Pfarreiengemeinschaft „Zu den Frankenaposteln im Maintal“ an die
Kirchenpfleger. Die Pfarreiengemeinschaft setzt sich zusammen aus den
Pfarreien „Mariä Schmerz“ in Bergrheinfeld und „Kreuzauffindung“ in
Grafenrheinfeld sowie der Kuratie „St. Michael“ in Garstadt. Heuer noch
sollen weitere 39 Pfarreiengemeinschaften dazu kommen, die restlichen
27 sollen dann bis zum 21. Februar 2010 „unter Dach und Fach“ sein, wie
Domvikar Christoph Warmuth verlauten ließ. Das Bistum Würzburg wird
dann aus 166 Pfarreiengemeinschaften bestehen.

 

Auf einer großen Tafel setzen die
Vorbeter die einzelnen Fürbitten zu
einem verbindenden Brückensymbol
zusammen.

Ausgerechnet zum Festsonntag hat der diesjährige Achterbahnsommer
wieder einmal einen Tiefpunkt erreicht. Die ganze Nacht und am
Morgen regnet es. Die Gläubigen aus Bergrheinfeld und Garstadt
lassen sich davon nicht abhalten und ziehen in einer langen Prozession
unter Begleitung der Kirchenmusik und der Fahnenabordnungen der
beiden Dörfer von der „Maria-Schmerz-Kirche“ in der Maingasse zum
Kirchplatz nach Grafenrheinfeld. Der Kirchplatz ist prächtig geschmückt.
Allein der lang anhaltende Regen hat die beabsichtigte Feier des
Festgottesdienstes auf dem Platz unmöglich gemacht. Ein Wermutstropfen
für den Familienkreis, der den Platz vor dem Altar mit einem herrlichen
Blumenteppich geschmückt hat. So schaut während des Gottesdienstes
niemand das Motiv an, welches die Kirchen in Garstadt, Bergrheinfeld
und Grafenrheinfeld zeigt, und auf das drei Wege hinführen. „Es hat in die
ganze Sache hineingeregnet“, bedauert Pfarrer Werner Kirchner. Er lässt
den langen Weg von den ersten Sitzungen bis hin zum Gründungsfest der
Pfarreiengemeinschaft Revue passieren. Viel Positives sei dabei zutage
getreten. „Es lohnt sich über den eigenen Kirchturm hinauszuschauen“,
ruft er die Gemeinden auf zur Zusammenarbeit. Und: „Wer glaubt ist nie
allein. Darum geht es in der Gründungsversammlung!“ Der Gottesdienst
in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche wird von Domkapitular
Herderich zelebriert. Er schafft mit seinen Helfern schnell eine festliche
und heitere Stimmung. Bemerkenswert ist seine Predigt. Er stellt die
Jünger Christi in den Mittelpunkt. Jesu‘ Auftrag an sie sei ein Aufbruch
zur Solidarität und zur Gemeinschaft gewesen. Selbstkritisch beschreibt
Herderich den Status quo in der Diözese. Dieser sei geprägt von einem
„Gläubigenmangel“, der sich nicht nur an der sinkenden Zahl von
Gottesdienstbesuchern ablesen lasse. Die Diözese habe vor 40 Jahren
eine Million Mitglieder gehabt, aktuell seien es noch 835000 Katholiken,
„Tendenz stetig fallend!“. In der gleichen Zeit hätte sich die Zahl der
jährlichen Priesterweihen von 20 bis 25 auf nur noch fünf im letzten Jahr
reduziert. „Mit der Seelsorge kann es wie bisher nicht weitergehen“, stellt
er fest. Nur noch ein bis zwei Prozent der 19- bis 29Jährigen würden
sich zu aktivem Christsein bekennen. „Diese katastrophale Zahl darf uns
keine Ruhe lassen!“, forderte Herderich. Ein Weg aus dieser Situation
sei die Bildung der Gemeinschaften benachbarter Pfarreien. Er mahnt,
manch schlechte Erfahrung bei der „politischen Gemeindereform“ nicht
zu übertragen und redet wider die Furcht vor „Gleichschaltung“ von
Pfarreien. Er rief die Gottesdienstbesucher auf, nicht „im Einheitsbrei
unterzugehen“, sondern sich positiv in die Gemeinschaft einzubringen.
Dabei bilde die Pfarreiengemeinschaft zunächst nur die äußerliche
Struktur. Diese sei wohl nötig wie ein Skelett. Die eigentliche Aufgabe,
den Menschen in ihren seelischen und leiblichen Nöten zu helfen,
beginne erst. Denn: „Ein blankes Skelett ist furchtbar anzuschauen.“ Die
geografische Lage der einzelnen Pfarreien lässt Platz für wirkungsvolle
Symbolik. So bemühen nicht nur die Festredner den Brückenneubau
zwischen Grafen- und Bergrheinfeld als Zeichen der Verbindung und des
Zusammenkommens. Auch die Fürbitten stellen jede für sich Bausteine
dar, die von den Vorbetern auf einer in der ganzen Kirche gut sichtbaren
Tafel zu einer Brücke zusammengesetzt werden.

Die Gründung der Pfarreiengemeinschaft „Zu den Frankenaposteln
im Maintal“ ist nun auch formell besiegelt. Domkapitular Hans Herderich
übergab, assistiert von Pfarrer Werner Kirchner, zum Ende des Fest-
gottesdienstes die von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann ausgefertigten

Gründungsurkunden an die Kirchenpfleger (von links nach rechts)
Hubert Mauder (Grafenrheinfeld), Annemarie Mohr (Garstadt) und
Gerhard Danneberg (Bergrheinfeld).

Text und Bild: Markert




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