Entwicklung des Grafenrheinfelder Raums in
vorgeschichtlicher Zeit
In vorgeschichtlicher Zeit wurde der Rheinfelder Raum bereits mehrfach von
Fernwegen durchzogen, auf denen verschiedene germanische Stämme das Maingebiet
durchwanderten.
Die ältesten nachweisbaren Ansiedlungen liegen in Main- und
Wernnähe und bezeugen bandkeramisches Siedlungsgebiet (2900-2200 v. Chr.).
Diese Bandkeramiker, gefolgt von den Schnurkeramikern und den berittenen
Glockenbecherleuten, verschmolzen um 800 v. Chr. teils durch friedliche
Integration, teils in gewalttätigen Auseinandersetzungen zur Kulturgruppe der
Kelten.
Zahlreiche Funde in einer Keltensiedlung neben dem alten Mainbett, die bei
Baggerarbeiten der Firma Leonhardt freigelegt wurden, werden der frühen
Laténe-Kultur (500-400 v. Chr.) zugeordnet.
Die bisherigen Untersuchungen haben ergeben, dass diese Siedlung der Kelten,
vermutlich an einer Mainfurt errichtet, durch Brand zerstört wurde. Die
Völkerwanderung der germanischen Stämme ließ das keltische Siedlungsgebiet seit
dem 2. Jahrhundert vor Christus schrittweise auseinanderbrechen.
Zunächst drängten die Sueben (Alemannen) die Kelten nach Süden ab, dann wanderten
die Burgunder durch unser Gebiet und siedelten sich um 300 n. Chr. vorübergehend
am Main an. Nach ihrem Abzug und Gründung eines Reiches im Raume Worms
um 406/407 n. Chr. entstand gegen Ende des 5. Jahrhunderts ein thüringisches
Königreich mit dem Zentrum Erfurt - Weimar. Die Siedlungen der
Thüringer reichten in dünner Streuung bis in unseren Raum.
Der planmäßige Ausbau der Gebiete am Main vollzog sich jedoch erst im Zuge
der fränkischen Staatskolonisation im 6. und 7. Jahrhundert, als fränkische
Siedler nach Siegen über die Alemannen im Jahre 496 und über die Thüringer im
Jahre 531 den Main-Wern-Raum besiedelten.
Der Ortsname auf "-feld" weist auf die Zeit hin, in der die fränkische
Landnahme abgeschlossen ist und man sich dem Ausbau des Königsgutes zuwendet. Im
Rheinfelder Raum befand sich ein wichtiger Mainübergang, vor allem für die Wege
von Frankfurt über den Spessart und von Gemünden über Geldersheim, nach
Mainüberquerung weiter nach Gochsheim, Weyer und Bamberg mit den Fernzielen Hof
und Eger. Archäologische Zeugnisse aus dieser Zeit sind nicht vorhanden. Erste
urkundliche Belege aus dem 9. Jahrhundert geben Aufschluss über die Entstehung
des alten "Roumfelt".