Kirchturmuhr erstrahlt wieder in neuem Glanz

Nach mehreren Wochen aufwendiger Restaurierungsarbeiten ist es geschafft: Die drei Zifferblätter unserer Kirchturmuhr sind wieder an ihren Platz zurückgekehrt und auch die neu vergoldeten Zeiger zeigen wieder zuverlässig die Zeit an. Damit ist ein wichtiges Stück Ortsbild und Geschichte unserer Gemeinde wieder vollständig hergestellt worden.
Ende April sind die drei rund 2,50 Meter großen Zifferblätter in etwa 40 Metern Höhe mit einem Spezialhubsteiger vom Kirchturm abgenommen und zur Restaurierung nach Regensburg gebracht worden.
Mit den Arbeiten ist erneut die traditionsreiche Turmuhrenfabrik Rauscher aus Regensburg beauftragt worden, die zu den wenigen Fachbetrieben in Deutschland gehört, die sich auf die Restaurierung von Turmuhren, Zifferblättern und Zeigeranlagen spezialisiert haben.
Zwischen Grafenrheinfeld und der Firma Rauscher besteht seit vielen Jahren eine besondere Verbindung: Der Opa von Juniorchefin Mathilda Neujean hat in den 60er Jahren das damalige Uhrwerk im Kirchturm installiert. Das historische Uhrwerk ist bis heute erhalten aber nicht mehr im Betrieb. Inzwischen ist es durch eine moderne funkgesteuerte Quarzsteuerung ersetzt worden. Das Steuergestänge und die Mechanik ist aber restauriert worden und immer noch in Betrieb.
Die Zifferblätter haben nicht ersetzt werden müssen. Sie bestehen aus glasfaserverstärktem Duroplast, einem besonders langlebigen und leichten Material. „Dieses Material hat sich über viele Jahrzehnte bewährt. Es ist leicht, stabil und dadurch ideal für Kirchturmuhren geeignet“, hat Juniorchefin Mathilda Neujean erklärt. Sie ist die Tochter der Firmeninhaberin Christine Rauscher und hat selbst an den Restaurierungs- und Montagearbeiten mitgearbeitet.
In der Werkstatt der Firma Rauscher sind die Zifferblätter sorgfältig abgeschliffen und anschließend von Hand neu lackiert worden. „Wir sprühen die Farbe nicht auf, sondern tragen sie traditionell von Hand auf. Dadurch erreichen wir eine besonders hochwertige Oberfläche“, hat Mathilda Neujean erläutert.
Auch die Zeiger sind vollständig überarbeitet. Sie sind grundiert, lackiert und anschließend mit echtem 24-Karat-Blattgold vergoldet worden. Zusätzlich sind wieder sämtliche Befestigungen überprüft.
Unterstützt worden ist das Team der Firma Rauscher von Holger Schmich vom Bauhof, der sich um die Grafenrheinfelder Kirchtürme und die Kirchturmuhr kümmert und eine besondere Verbindung zu diesen Bauwerken hat.
„Ich habe auch die neuen Zeiger selbst montiert. Mit meiner Höhenangst ist das manchmal gar nicht so einfach“, hat Mathilda Neujean erzählt. „Aber mit meinen sehr guten Mitarbeitern an meiner Seite, die beim Anheben der Zifferblätter und bei der Montage unterstützt haben, hat alles sehr gut funktioniert.“
Nach der Montage aller drei Zifferblätter sind die Uhrwerke noch exakt eingestellt und die Zeiten genau justiert worden. Jetzt präsentiert sich die Kirchturmuhr wieder in neuem Glanz. Die blaue Farbe wirkt dunkler als die vorherige. Das kommt aber davon, dass die ursprüngliche Farbe, die jetzt wieder aufgetragen wurde, sehr ausgeblichen war. Besonders die goldenen Zeiger sind bei Sonnenschein weithin sichtbar und verleihen dem Kirchturm wieder ein beeindruckendes Erscheinungsbild.
Die Zifferblätter sind in den vergangenen Jahrzehnten stark ausgeblichen gewesen und haben dringend saniert werden müssen. Die Arbeiten haben mehrere Wochen gedauert – und gleichzeitig haben viele Bürgerinnen und Bürger gemerkt, welche Bedeutung unsere Kirchturmuhr im Alltag noch immer hat.
Kirchtürme und Kirchturmuhren prägen viele Gemeinden. Unsere Grafenrheinfelder Kirche mit ihren zwei Türmen ist ein besonderes Wahrzeichen, das weithin sichtbar ist.
Die Grafenrheinfelder Kirchturmuhr hat außerdem einige Besonderheiten. Wie bei vielen historischen Kirchen sind drei Zifferblätter angebracht worden – auf den Seiten, die für die Bevölkerung am besten sichtbar gewesen sind. Auffällig ist auch die römische Zahl Vier: Sie ist als „IIII“ und nicht als „IV“ dargestellt worden. Diese Schreibweise ist bei historischen Turmuhren üblich gewesen, da sie besser lesbar ist und optisch harmonischer wirkt.
Die Kosten der Sanierung in Höhe von rund 8.500 Euro hat die Gemeinde Grafenrheinfeld getragen. Traditionell liegt die Verantwortung für Turm und Uhr vielerorts bei den Gemeinden, weil die Kirchturmuhr früher die wichtigste öffentliche Zeitangabe für die Bevölkerung gewesen ist.
Mit der abgeschlossenen Restaurierung ist die Grafenrheinfelder Kirchturmuhr wieder für viele Jahre gerüstet. Die Verbindung aus traditioneller Handwerkskunst, moderner Technik und jahrzehntelanger Erfahrung sorgt dafür, dass dieses Stück Ortsgeschichte auch künftig zuverlässig die Zeit anzeigen wird.
Christian Keller
Erster Bürgermeister
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