ALLERHEILIGEN: WIR BEWAHREN DIE ERINNERUNG AN DIE BOMBENNACHT

An Allerheiligen gedenken wir Grafenrheinfelder seit Anbeginn am Ehrengrab im Kirchenfriedhof an die Opfer von Krieg, Gewalt, Verfolgung, Flucht und Vertreibung.
Für uns hat dieses Gedenken eine ganz besondere Bedeutung. Die Bombennacht vom 24. auf den 25. Februar 1944 ist bis heute tief in unserer Ortsgeschichte verankert. 32 Grafenrheinfelder haben in dieser Nacht ihr Leben verloren. Weitere Einwohner sind bei Luftangriffen 1943 und beim Beschuss im April 1945 ums Leben gekommen.
Viele von uns kennen die Erzählungen darüber noch aus den eigenen Familien. Von der Angst in den Kellern, von einschlagenden Bomben, von brennenden Häusern und von der verzweifelten Suche nach Angehörigen. 85 Prozent der Gebäude unseres Ortes sind damals zerstört worden.
Besonders bewegend sind die Erinnerungen der damals 16-jährigen Juliane Hartmann aus Bergrheinfeld. Viele Jahre später hat sie ihre Erlebnisse in einem Gedicht verarbeitet. Darin stellt sie die schlichte, aber erschütternde Frage:
„Sag, Mama, das soll der Friede sein?
Mein Vater kam aus dem Krieg noch nicht heim.“
An anderer Stelle schreibt sie über ihren Bruder:
„Wir haben ihn Jahre nicht mehr gesehen.
Ist er gefallen, oder wird er noch leben?“
Diese Zeilen machen deutlich, dass Krieg weit mehr hinterlässt als zerstörte Häuser. Er hinterlässt Angst, Ungewissheit und Wunden, die Familien oft ein Leben lang begleiten.
Gerade deshalb wollen wir in Grafenrheinfeld die Erinnerung an die Bombennacht lebendig halten. Die Generation der Zeitzeugen wird immer kleiner. Umso wichtiger ist es, ihre Erlebnisse an unsere Kinder und Enkel weiterzugeben.
Auch heute erleben wir wieder Kriege in Europa und in vielen anderen Teilen der Welt. Sie erinnern uns daran, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist. Er braucht Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, einander mit Respekt zu begegnen und Versöhnung möglich zu machen.
Während der Gedenkfeier haben Fackelträger des Gemeinderates und der Bundeswehr stellvertretend für die Gemeinde und der Infanterieschule in Hammelburg die Ehrenwache am Massengrab der Opfer der Bombennacht übernommen. Das Licht der Fackeln hat dabei ein stilles und würdiges Zeichen gesetzt: Wir haben die Menschen, die hier ihre letzte Ruhe gefunden haben, nicht vergessen.
Im Namen der Gemeinde und der Bundeswehr haben wir am Ehrengrab zwei Kränze niedergelegt. Unser Gedenken gilt den Opfern der Bombardierung von Grafenrheinfeld, den Toten der beiden Weltkriege sowie allen Opfern von Krieg, Gewaltherrschaft, Verfolgung, Gefangenschaft, Vertreibung und Flucht.
Ein herzlicher Dank gilt der Kirchenmusik, den Fahnenabordnungen unserer Vereine, den Fackelträgern des Gemeinderates und der Bundeswehr sowie allen Bürgerinnen und Bürgern, die an der Gedenkfeier teilgenommen haben. Besonders gefreut haben wir uns über die Teilnahme von Oberstleutnant Markus Pregitzer, Leiter des Bereiches Unterstützung der Infanterieschule in Hammelburg, mit der uns seit 39 Jahren eine enge Patenschaft verbindet. Er hat in seiner Rede auch die Soldaten, die sich in Erfüllung ihres Dienstes dem Erhalt des Friedens widmen, eine Stimme gegeben.
Die Menschen, deren Namen auf unseren Gedenksteinen stehen, können ihre Geschichte nicht mehr selbst erzählen.
Wir können es.
Wir erhalten diese Erinnerung wach.
Christian Keller
Erster Bürgermeister
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